Mäkeligkeit beim Hund 

immer ein „home-made" Problem?


Jeder Hundebesitzer kam mindestens einmal in die Situation, dass der Hund nicht fressen wollte. Den einen beunruhigt diese Situation sehr - den anderen erst einmal etwas weniger.
Dies hängt auch oft damit zusammen, ob man „Ersthundebesitzer“ ist oder bereits über längerer Jahre Hundeerfahrung sammeln konnte.

Ein bisschen Hintergrundwissen zu Beginn. Die Anzahl an Hunden die schlecht fressen bzw. gar nicht fressen wollen ist gar nicht so selten wie man denkt. Nicht jeder Hund ist automatisch ein Vielfraß und haut sich alles hinter die „Kiemen“ was ihm serviert oder auch nicht serviert wird. Auch hier gilt: Jeder Hund ist ein Individuum.
In der Ernährungsberatung hält es sich in etwa in Waage. Dazu muss man aber auch sagen, dass eine Ernährungsberatung oft von Besitzern in Anspruch genommen wird - deren Hund sehr mäkelig ist was das Futter / Fressen betrifft und dies dazu noch über einen längeren Zeitraum.
Diese Kunden sind oftmals verunsichert, da Ihnen im Freundes und Familienkreis oft gesagt wird - „selbst dran Schuld - den hast du Dir so erzogen!“

Doch ist das wirklich immer der Fall oder ist es vielleicht zu kurz gedacht?

In der Ernährungsberatung ist es für uns erst einmal wichtig vom Besitzer so viel Informationen bzgl. Fütterung, Fütterungsmanagement, Verhalten, usw..  zu bekommen wie möglich. D.h. auch, dass wir hier sehr oft viele Dinge gezielt hinterfragen, denn so einfach ist es nun doch wieder nicht - die Besitzer pauschal in die Schublade zu schieben - selbst anerzogenes Fressverhalten.

Mäkeligkeit oder Appetitlosigkeit kann durchaus mehrere Gründe haben.
Sollten die Besitzer Symptome beschreiben wie: vermehrtes Grasfressen, nüchtern erbrechen (Galle), Schmatzen, starkes Speicheln, Aufstoßen - keinen Appetit am Morgen - deutet dies sehr stark auf eine Übersäuerung und damit einhergehendes Sodbrennen hin. Magensensible Hunde sind durchaus keine Seltenheit.
Dies kann unter anderem verschiedene Ursachen haben. Wie z.b. falsche Fütterung (zu proteinlastig, zu fettlastig, Zusatzstoffe die Sodbrennen auslösen können oder auch zu lange Fütterungsabstände welche zur Übersäuerung führen. Diese Übersäuerung tritt oft über Nacht auf. Welches dann zum „early morning vomiting“ (nüchtern Erbrechen) führen.

Aber auch sehr kranke Hunde verweigern oft die Nahrungsaufnahme. Erkrankungen der Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Gastritis aber auch Zahnschmerzen führen je nach Grad der Erkrankung zur Appetitlosigkeit. Daher ist es sehr wichtig mit dem Hund bei anhaltender „Mäkeligkeit“ beim Tierarzt vorstellig zu werden. Auch die Ernährungsberater werden euch zum TA schicken - um organische Probleme ausschließen zu können. Bzw. sollten welche diagnostiziert werden kann der Ernährungsberater mit einer entsprechenden Diätetik unterstützen.

Nicht zu unterschätzen ist auch das Thema Stress. Sei es hormonell oder einfach aus Unsicherheiten, Ängsten, Umweltreizen - die den Hund unter Stress setzen.
Auch im Humanbereich ist das nichts ungewöhnliches. Stress schlägt auch beim Menschen auf den Magen. Viele, sich im Dauerstress befindende Menschen, leiden unter anderem auch an Magengeschwüren resultierend aus Appetitlosigkeit, falsche Ernährung und Sodbrennen. Beim Hund sollte dies ebenso berücksichtigt werden. Es gibt genug intakte Rüden, die nicht mehr fressen sobald läufige Hündinnen unterwegs sind. Oder Hündinnen die während der Läufigkeit keinen bzw. verminderten Appetit haben.
Hierbei handelt es sich dann oftmals um temporäre Mäkeligkeit.

Auch Fehleinschätzungen der Besitzer führen oft zu der Annahme, dass der Hund mäkelig ist - weil er sein Futter zum Beispiel nicht vollständig frisst, da die Besitzer der Annahme sind, dass die Angaben auf dem Futter und somit die Futtermenge zu gering sind und daher die Menge erhöhen, die der Hund dann aber nicht vollständig aufnimmt.
Oder es wird viel trainiert - der Hund bekommt beim Training und somit „nebenbei“ Futter welches bereits sättigt, so dass er seinen Napf zu Hause nicht mehr vollständig leert. Oder analog anstelle von Leckerli im Training sind es Kaustangen die ihn bereits gesättigt haben. Sind Energiebedarf und Nährstoffdeckung durch zusätzlich zugeführte Leckerli gegeben - braucht man sich über einen nicht vollständig geleerte Napf keine Sorgen zu machen.

Last but not least gibt es dann noch die Fellnasen, bei denen wir dann vom sogenannten „hausgemachten Problem“ sprechen, sofern der Hund nach tierärztlicher Diagnostik gesund ist.
Hierbei handelt es sich oft um Hunde - von Erstbesitzern oder auch aus Einzelhundehaltung - die es „erlernt“ haben, dass wenn Sie ihr Futter nicht anrühren, ihnen immer wieder etwas neues serviert wird.

Bedeutet, dass der Hund in der Vergangenheit auf Grund diverser Ursachen (Läufigkeit, Zahnwechsel, Übelkeit, Hormonen, .… ) die Erfahrung gemacht hat, dass Ihm wie aus Zauberhand ein neues Futter angeboten oder täglich mit neuen leckeren Sachen aufgewertet wird wenn er dies nicht anrührt. Immer mit dem Ziel des Menschen, dass doch irgendwann ein Futter akzeptiert werden muss.
Diese Besitzer haben bereits die volle Bandbreite an Futtermittel durchgetestet und es ist ja jetzt nicht so - dass davon gar nichts dem Hund schmeckt und alles Mist ist. Natürlich hat jeder Hund Komponenten die ihm nicht zusagen. Aber dies zieht sich mit großer Sicherheit nicht über das gesamte Futtersortiment der im Handel erhältlichen Sorten.

Diese Besitzer sind irgendwann völlig hilflos - kein Futter wird länger als 2-3 Tage gefressen  und die Vorratskammer gleicht bereits einem Handel für Tiernahrung, weil überall Futter lagert, welches vom Hund nicht mehr angenommen wird.

Verschmähen diese Hunde auch selbsterstellte Kochrationen, welche in der Regel von jedem Hund super gerne angenommen werden - lässt es einen schon erahnen dass es sich hier wohl eher um ein "erlerntes Verhalten" handelt.
Bei diesen Hunden ist ein „Reset" zurück auf Null der beste Schritt - jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass wir hier von einem „gesunden Hund“ ausgehen.

Das bedeutet - einmal ein bedarfsdeckendes Futter auswählen - welches der Hund verträgt mit nicht all zu viel Schnick-Schnack oder zu vielen zusätzlichen Komponenten. Hier kann es sich durchaus auch um Trockenfutter handeln, da hier die Nährstoffdichte höher ist als bei Nassfutter. Bedeutet, die aufzunehmende Menge zur Bedarfsdeckung kann dadurch minimal gehalten werden. Es darf gerne etwas Nassfutter, körniger Frischkäse oder Joghurt als Topping genutzt werden.

Rührt der Hund das Futter nicht an, dann einfach den Napf wegnehmen und gerne zur Mittagszeit den Napf erneut servieren. Wird zur Mittagszeit der Napf ebenfalls nicht akzeptiert diesen wieder wegnehmen und am Abend erneut anbieten.  
Dies verlangt unter anderem auch sehr viel Konsequenz von Frauchen und Herrchen die hier stark bleiben müssen.
 
Es heißt nicht, dass der Hund verhungern muss - es kann weiterhin mit Leckerli trainiert oder auch mal eine Kaustange angeboten werden. 
Es sollten einfach nur keine Alternativen oder täglich aufgewertete Näpfe mehr dem Hund angeboten werden. Es bleibt stets das selbe Futter. Wichtig ist dran zu bleiben … sonst läuft es wieder in die entgegengesetzte Richtung.

Es dauert, eine bereits antrainierte Angewohnheit wieder zu durchbrechen und verlangt auch ebenso die Konsequenz des Besitzers unterstützend mit Futtermangement.

Sollte weiterhin keine Akzeptanz vorhanden sein, dann muss das Problem zwingend tiefergelegt und evtl. Verhaltenstherapeutisch betreut werden.

Hier sollte man die Fütterungssituation genau begutachten und bewerten: 
- Wo wird gefüttert? 
- Wer füttert?
- In welcher Situation befindet sich der Hund?
- Sind vielleicht irgendwelche Reize in der Umgebung die den Hund verunsichern?
- Überträgt sich evtl. die Sorge bzw. die Erwartungshaltung des Frauchens / Herrchens auf den Hund?
- Wird zu viel Tamtam auf die Fütterung gelegt und sorgt somit indirekt für Stress beim Hund?
… 
Oft reicht schon, dass eine andere Person die Fütterung übernimmt.

Was zeigt uns das?
Nicht immer ist ein mäkeliger Hund ein "hausgemachtes" Problem. Manchmal stecken hier auch schwerwiegende Erkrankungen dahinter. 
Ein Besuch beim Tierarzt kann hier schon viel Licht ins Dunkle bringen!