Giardien ....
... sind einzellige Magen - Darm Parasiten, gehören zu der Gruppe der Protozoen und zählen mit unter zu den häufigsten Parasiten bei Tieren.
Giardien befallen hauptsächlich den Dünndarm des Hundes und ernähren sich von den Nährstoffen die durch die Nahrungsaufnahme zugeführt werden. Ob sich ein Hund mit Giardien infiziert hängt vor allem von Alter und seinem Immunsystem ab.
Gerade junge Tiere, deren Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, sowie Tiere, die aufgrund anderer Infektionen bereits immungeschwächt sind, haben oft stark unter einem Befall mit Giardien zu leiden.
Giardien sind sehr verbreitet und durch Schmierinfektion übertragbar, das bedeutet durch orale Aufnahme von Zysten aus dem Kot infizierter Tiere.
Auch in stehenden Gewässern und Pfützen halten sie sich gerne auf. Werden zu viele infektiöse Zysten auf einmal aufgenommen, schafft es das Immunsystem nicht mehr, sie rechtzeitig zu eliminieren, und es kommt zur Infektion. Die Folgen sind übel riechende Durchfälle (meistens hell, wässrig, schleimig, Blutbeimengungen können vorkommen), die aber auch nur tageweise auftreten können, und andere Magen-Darm Beschwerden ebenso wie Mattigkeit, Schwäche und Gewichtsverlust.
Wichtig!
Nicht immer zeigen infizierte Tiere die typischen Symptome der Erkrankung an. Trotzdem scheiden diese Tiere mit dem Kot regelmäßig große Mengen an sogenannten Zysten aus die lange Zeit in der Umwelt überleben und für andere Tiere ein Ansteckungsrisiko darstellen.
Umso wichtiger ist es - IMMER - die Hinterlassenschaften seines Hundes einzusammeln.
Behandlung
Vor der Einnahme sollten Durchfälle zuerst gestoppt werden, damit der eingesetzte Wirkstoff nicht zu rasch wieder ausgeschieden und damit unterdosiert und unwirksam wird. Hierfür hat sich Huminsäure, Flohsamenschalen und / oder Zellulose sehr bewährt
Zur medikamentösen Behandlung sind offiziell zwei Medikamente zugelassen:
a) Das Breitband-Anthelminthikum Panacur (Fenbendazol)
b) das Breitband-Antibiotikum Metrobactin (Metronidazol )
Wenn eine Behandlung erforderlich ist, empfehle ich Fenbendazol (Panacur) – ein Antiparasitikum, das gezielt gegen Würmer und Einzeller wie Giardien wirkt, ohne die empfindliche Darmflora anzugreifen.
Der Grund:
Benzimidazole binden sich an das Eiweiß von Parasitenzellen, das Tubulin. Dadurch wird die Zellfunktion des Parasiten geschädigt, und sie sterben ab. Gute Darmbakterien besitzen keine Tubuline.
Wichtig für den Erfolg ist es, Panacur lang genug zu verabreichen, da das Medikament eher langsam wirkt und bei Fleischfressern durch die schnelle Darmpassage ohnehin der Kontakt
zum Erreger verkürzt ist.
Sehr gute Erfolge gibt es bei einer 10- tägigen durchgehenden Einnahme.
Einnahmepausen - wie sie bei Wurmkuren oft stattfinden - haben sich laut vielen Erfahrungsberichten bei Giardien nicht bewährt. Sie ergeben auch keinen Sinn, da Giardien keine Würmer sind, keine Eier legen, keine Larvenstadien besitzen und sich permanent vermehren.
Metrobactin wirkt anders als Panacur. Es tötet die Parasiten nicht ab, verhindert aber deren weitere Vermehrung, indem es die DNA beschädigt. Beim Einsatz von Breitbandantibiotika sterben immer viele nützliche Darmbakterien mit ab, so dass es sinnvoll ist, sofort gleichzeitig ein Synbiotikum mit geringem Stärkeanteil dazu zu geben, um den Verlust etwas aufzufangen.
Alternative (oder auch therapiebegleitende) Behandlungsmethoden für Giardien - wenn Tiere noch keine Symptome zeigen - umfassen die Verwendung von Giardex (chinesische Kräuter) und die Methode von Swanie Simon. Diese Methoden erfordern eine Behandlungsdauer von mehreren Wochen und sind weniger geeignet für hoch akute Infekte mit schweren Krankheitssymptomen.
Ernährung
Giardien vermehren sich leichter bei der Fütterung von Kohlenhydraten, die in vielen Trockenfuttersorten enthalten sind, da Glucose aus Kohlenhydraten ihre bevorzugte Nahrung darstellt. Daher wird oft empfohlen, bei einem Giardienbefall kohlenhydratarm oder -frei zu füttern, um die Behandlung zu unterstützen.
Man sollte aber beachten, dass der Hundekörper und sein Mikrobiom selbst Glukose aus verschiedenen Energiequellen produzieren, die Giardien nutzen können. Daher könnte eine Reduzierung der Kohlenhydrate in der Nahrung die Giardien nicht daran hindern, im Darm zu überleben. Dies zeigt, dass die Bekämpfung von Giardien komplexer ist und nicht allein durch den Entzug von Kohlenhydrate beeinflusst werden kann.
Passt man nun die Fütterung entsprechend an - kann man den Hund mit der Stärkung des Immunsystem zusätzlich unterstützen. Eine ausgewogene Ernährung, die Ballaststoffe, Probiotika und präbiotische Stoffe wie Pektin und Inulin enthält, kann das Verdauungssystem des Hundes stärken. Diese Nährstoffe helfen, die Darmflora zu unterstützen, fördert die allgemeine Gesundheit des Hundes und verbessert seine Abwehrkräfte gegen Parasiten.
Möchte man auf Kohlenhydrate verzichten sollte unbedingt auf eine ausreichende
Energieversorgung geachtet werden! Der angeschlagene Körper, Immunsystem und
auch Darmtrakt braucht Energie, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine!
Hygiene
In der Zeit zwischen den Behandlungen durch die Tierärztin/den Tierarzt und auch darüber hinaus wird empfohlen, eine Reihe von Hygienemaßnahmen einzuhalten, um eine Neuinfektion mit Giardien aus der Umwelt zu vermeiden.
- Kot sollte aufgesammelt und entsorgt werden.
- Oberflächen, die mit Kot in Berührung gekommen sein könnten, sollten, wenn möglich, mit einem Dampfstrahler mit einer Mindesttemperatur von mehr als 60 Grad Celsius, gereinigt werden.
- Näpfe mit kochendem Wasser ausspülen